Ab in die Mucki-Bude – Die Bedeutung der Bauchmuskeln für das Reitpferd

Das Pferd wurde nicht dazu geboren, um einen Reiter zu tragen…

Auch wenn es den Anschein erweckt, ist der Pferderücken eigentlich nicht zum Tragen eines Reiters gemacht. Die Wirbelsäule liegt vielmehr wie eine Art „Hängebrücke“ zwischen den Vorder- und Hinterbeinen des Pferdes. Bei der Belastung mit Gewicht, gibt die Wirbelsäule nach.

Um ein Pferd reiten zu können müssen deshalb viele Muskeln, Bänder und Sehnen zunächst ausreichend gestärkt werden.

Die Funktion des Skeletts

Knochen sind nach dem Zahnschmelz die zweithärteste Substanz in einem Pferdekörper. Es handelt sich um lebendiges Gewebe, welches von unzähligen Blutgefäßen und Nerven durchzogen ist. Wichtige Mineralstoffe für einen starken Knochen sind z.B. Kalzium und Phosphor.

Das Knochensystem des Pferdes nennt man das Skelett und dieses übernimmt verschiedene Funktionen:

  • Das Skelett speichert Mineralstoffe.
  • Es schützt die inneren Organe.
  • Es sorgt für die Stabilität des Körpers und bildet das Gerüst, an dem sich die Muskeln und Sehnen befestigen können.
  • Es ermöglicht zusammen mit der Muskulatur die Bewegung des Pferdes.

Das Skelett wird auch als der passive Bewegungsapparat bezeichnet.

Die Funktion der Muskeln

Ein Muskel ist ein kontraktiles Organ (das bedeutet, er kann sich zusammenziehen) im Körper des Pferdes, welches sich aus Muskelzellen zusammensetzt, die wiederrum das Muskelgewebe bilden.

Wir unterscheiden dabei in zwei verschiedene Arten von Muskeln:

  1. Die glatte Muskulatur (vor allem Darm oder Gefäße), sie arbeitet unwillkürlich und ist nicht willentlich steuerbar.
  2. Die quergestreifte Muskulatur (Skelettmuskulatur), meistens willentlich steuerbar.

Zur quergestreiften Muskulatur gehört auch die Herzmuskulatur, welche ständig arbeitet und nicht wie die Skelettmuskulatur willentlich steuerbar ist.

Ein Pferd hat in etwa 700 Skelettmuskeln und diese sorgen, wie oben schon angesprochen, zusammen mit den Knochen dafür, dass sich das Pferd bewegen kann. Sie stabilisieren die Gelenke und ermöglichen, dass das Pferd bestimmte Haltungen einnehmen kann.

Ein Skelettmuskel hat einen fleischigen Bauch und verjüngt sich am distalen Ende zu einer Sehne. Jeder Muskel hat einen Ursprung und einen Ansatz, mit denen sie am Knochen befestigt sind.

Drei Arten von Muskelzellen bzw. Muskelfasern werden unterschieden:

  • ST-Fasern (Slow twitch): kontrahieren und ermüden langsam, Energiegewinnung unter Sauerstoffzufuhr; wichtig für Ausdauerleistung und langsame Bewegungen z. B. im Dressursport
  • FT- Fasern (Fast twitch): kontrahieren schnell und ermüden schnell, verbrauchen viel Energie; wichtig für schnelle Muskelarbeit z. B. im Renn- oder Springsport
  • FTH- Fasern (Mischform): ziehen sich relativ schnell zusammen, aber ermüden langsamer als FT-Zellen; wichtig für lange Arbeit in mäßigem Tempo oder beschleunigter Aktivität

Muskeln erhalten Signale von Nerven, um sich zusammenzuziehen. Im Anschluss entspannen sie sich wieder. Auf diese Weise kontrollieren sie die Gelenke. Muskeln mit entgegengesetzter Wirkung bezeichnet man als Agonist und Antagonist.

Es gibt verschiedene Arten von Kontraktion: Die Konzentrische, die Exzentrische und die Isometrische.

Bei der konzentrischen Muskelkontraktion verkürzen sich die Muskeln, um Bewegung zu erzeugen. Bei der exzentrischen dagegen werden die Muskeln kontrolliert verlängert. Keine Bewegung entsteht bei der isometrischen Kontraktion. Hierbei wird vom Muskel reine Haltearbeit gefordert. Ist ein Muskel nicht ausreichend trainiert, kann diese Art der Kontraktion sehr ermüdend für das Pferd sein und ihm zudem Unbehagen bereiten.

Die ventrale und dorsale Muskelkette

Muskeln arbeiten stets paarweise oder sogar in ganzen Gruppen zusammen, um Bewegung erzeugen zu können. Wenn sich also ein Muskel anspannt, dann muss sich sein Gegenspieler entspannen. Genauso ist es umgekehrt.

Im Körper des Pferdes entsteht durch Muskelgruppen, sog. Muskelketten, eine Verbindung von „Vorne und Hinten“. Dies geschieht über die sogenannte dorsale Muskelkette (obere Verspannung). Sie besteht aus dem M. splenius und M. longissimus dorsi, den „Aufrichtern“ der Wirbelsäule, sowie den Hüftstreckern (Glutealmuskulatur, M. biceps femoris, M. semitendinosus, M. semimembranosus, M. gastrocnemius).

Die dorsale Muskelkette ermöglicht eine Streckung der Wirbelsäule und der Hüfte, sie senkt den Rücken und hebt Kopf und Hals.

Neben der dorsalen gibt es auch die ventrale Muskelgruppe (zu ihr gehören die Beuger des Halses, die Bauchmuskeln, die Beuger des Übergangs Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule und Beuger des Lumbosakralgelenks).

Die ventrale Muskelgruppe ermöglicht eine Beugung der Wirbelsäule, eine Beugung der Hüfte und (ganz wichtig!) sie hebt den Rücken und unterstützt ihn auf diese Weise.

Beide Muskelgruppen müssen ungestört zusammenarbeiten können.

Das Nackenband

Eine weitere wichtige Rolle spielt das Nackenband. Es handelt sich um einen sehr starken, aber elastischen Sehnenstrang. Das Nackenband verläuft vom Hinterhauptbein bis zum Widerrist. Ab dem sechsten Brustwirbel verändert sich das kräftige, elastische Band und wird zum Rückenband bzw. Oberdornfortsatzband (verankert auf dem höchsten Punkt der Dornfortsätze bis hin zum Kreuzbein) und wird dabei auch dünner und weniger elastisch.

Im Halsbereich gibt es zudem die dazugehörige Nackenplatte.

Beim Absinken des Kopfes zieht das Nackenband am Widerrist und die Dornfortsätze richten sich auf, ebenso das Oberdornfortsatzband bis zur Mitte der Sattellage. Danach sind die Lenden-, Becken- sowie die Bauchmuskeln für das Aufwölben zuständig.

Ohne die Bauchmuskeln geht es also nicht

An dieser Stelle müssen wir uns noch einmal an die Einleitung dieses Artikels erinnern: die Rückenmuskulatur des Pferdes ist eigentlich nicht dazu gemacht, um einen Reiter zu tragen. Viele Menschen gehen davon aus, dass der lange Rückenmuskel maßgebend ist, um den Reiter tragen zu können. Allerdings ist dieser überhaupt kein Tragemuskel, sondern er ist vielmehr ein reiner Bewegungsmuskel.

Daraus ergibt sich, dass das Pferd also andere Muskeln braucht, um das Reitergewicht tragen zu können: die Bauchmuskeln! Ohne trainierte Bauchmuskeln, kann das Pferd den Rücken nicht aufwölben und die Wirbelsäule sinkt ab. Typisch ist dann auch der Hängebauch bzw. Hängerücken, welcher dadurch entsteht. Durch diese Fehlbelastung der Wirbelsäule kann es für das Pferd sehr schmerzhaft werden und es können sogar Erkrankungen, wie zum Beispiel die sog. „Kissing Spines“ entstehen, eine schmerzhafte Veränderung der Dornfortsätze der Rückenwirbel.

Welche Übungen helfen die Bauchmuskeln und damit den Rücken zu stärken?

Um den Rücken zu stärken, sollte ein gezieltes Training erfolgen, bei dem die Rückenmuskulatur gelockert, dann zunächst die Bauchmuskulatur und anschließend die Rückenmuskulatur trainiert werden.

Auch der Sattel sollte vor dem Training unbedingt auf seine Passform hin untersucht werden.

Übungen, welche die ventrale Muskelkette beim Reiten oder bei der Bodenarbeit stärken können, sind zum Beispiel:

  • Übergänge/Tempowechsel
  • Stangenarbeit mit Bodenstangen und Cavalettis
  • gymnastizierende Sprünge (Hindernisse sollten dabei eher niedrig sein)
  • Bergaufreiten
  • Seitengänge
  • propriozeptives Training (z.B. mit einem Balance-Pad)

Aber nicht nur durch gezieltes Training lässt sich der Rücken des Pferdes gesund erhalten. Ebenso spielt eine artgerechte Haltung eine wichtige Rolle:

  • genügend Auslauf/Freilauf und Bewegung (ohne Reiter), durch ausreichend Weidegang oder generelle Offenstallhaltung
  • natürliche Fresshaltung (Kopf tief)
  • ausreichend Erholungsphasen nach anstrengender Arbeit

Auch mit Hilfe von Kinesiologischem Taping kann gezielt die Rückenmuskulatur gelockert und die Bauchmuskeln aktiviert werden.

Vor allem mit Hilfe von Muskel- und Korrekturtechniken kann die Bauchmuskulatur gezielt angesprochen werden, um dieser während des Trainings gezielte Impulse zu geben. Oft kann man während der Behandlung mit Tape-Anlagen feststellen, dass es den Pferden dann leichter fällt, die Bauchmuskulatur zu aktivieren und dadurch den Rücken anzuheben. Muskeltapes für den Rücken, helfen der Rückenmuskulatur locker und entspannt zu werden oder zu bleiben.


Verwendetes Material: K-Active Tape Classic verschiedene Farben, K-Active Schere Classic, CuraVet Sprühkleber

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